Fühlen, riechen, schmecken, sehen

In meiner Kindheit war ich sehr oft mit der Familie in der freien Natur. Der Rhein war regelmäßig ein Ziel unserer Ausflüge. Dabei ging es nicht immer nur in die Walsumer Rheinaue, sondern auch zum Rhein bei Xanten, Düsseldorf oder Orsoy. Aus dieser Zeit ist mir ein besonderer Geruch in Erinnerung, der mir letztlich wieder in die Nase stieg. Nein, ich könnte es nicht genau beschreiben, aber ich glaube, man könnte mich mit verbundenen Augen an einen Fluss führen und ich würde ihn an diesem ganz besonderen Duft erkennen, den “Vater Rhein”!

Damals sind wir mit dem Fahrrad, Decken und Picknickkorb in die Rheinaue gefahren und haben oft meinen Drachen, Modell “Bussard”, steigen lassen. Einmal wurde er von einem echten Bussard angegriffen und mein Vater hatte große Probleme, ihn wieder heil hinunter zu bekommen. Wir haben auch viele Früchte gepflückt und sie gegessen: Brombeeren, Walderdbeeren, Blaubeeren, Körner und Mais aus einem Feld, Kirschen vom Nachbarn und Äpfel und Birnen vom Bauern im Dorf. Ich kann mich noch gut an dieses Aroma erinnern, das Blaubeeren hatten, und wie herrlich sie die Finger verfärbten!

So ein “Mundraub”, wie man so schön zu dieser Zeit sagte, war schon ein Erlebnis. Der intensive Geschmack der Walderdbeeren, das Gefühl, eine Brombeere in der Hand zu haben, ihre Form zu ertasten, der Duft der Blumen oder der erdige Geruch des Kartoffelfeuers, all das ist immer noch in meinem Kopf.

Auch die Sammlung meiner Froschfamilie, die ich nach genauer Untersuchung wieder in den Teich setzte. Oder mein Ameisenglas, in dem die Ameisen Gänge bis zum Boden buddelten und sich Fliegen und andere Insekten holten, wenn ich sie fütterte. Meine brummende Schachtel mit Junikäfern oder das Leuchten der Glühwürmchen, all das ist unvergessen geblieben und ich denke sehr oft an diese schöne Zeit. Der Geruch von “Vater Rhein”, die Fahrt mit der alten Fähre und die – wie auch heute wieder – badenden Menschen am Rheinufer hatten all diese Erinnerungen in mir wachgerufen.

Wenn ich jetzt daran zurück denke, glaube ich, dass vielen Kindern heute so etwas fehlen könnte. Denn zahlreiche Gebiete, wie zum Beispiel das Naturschutzgebiet in Walsum, sind nicht mehr in der Form zugänglich. Das ist im Prinzip auch gut so, denn in Walsum brüten seltene Tiere und im Winter ruhen sich Tausende Wildgänse am Niederrhein aus. Aber in jeder Stadt sollte es meiner Meinung nach ein oder mehrere Erlebnisgebiete geben, in denen man mit seinem Kind die Natur in den unterschiedlichsten Formen kennenlernen kann. Beispielhaft ist in dieser Hinsicht der Ingenhammshof in Duisburg-Meiderich, auf dem man noch viele Nutztiere sehen kann. Auch die Touren von Frank Pawellek aus Dorsten, einem promovierten Naturwissenschaftler, der von der Natur- und Umweltschutzakademie des Landes Nordrhein-Westfalen als Naturführer zertifiziert wurde, sind sehr interessant und lehrreich.

Dennoch glaube ich, dass insgesamt zu wenig in dieser Hinsicht getan wird, nicht nur von Seiten der Anbieter oder in bezug auf die Möglichkeiten, die geringer als noch vor Jahren geworden sind: Auch die Eltern müssten sich gemeinsam mit ihren Kindern mehr mit solchen Dingen beschäftigen.

Wenn ich manchmal in zoologischen Gärten die Antworten einiger Erwachsener auf die Fragen ihrer Kinder höre, dann glaube ich, es würde beiden Teilen gut tun, sich mal wieder mehr mit “Mutter Natur” und “Vater Rhein” zu beschäftigen!

Mit freundlichen Grüßen

Christian Falk

 

Tipps für Eltern und Kinder:

Frank Pawelleks Natur

Landschaftspark Nord / Ingenhammshof

Landschaftshof Baerlo

Nabu Wesel

Bund Duisburg

Duisburger Zoo

Naturzoo Rheine

Anholter Schweiz mit Naturschule