Naturfotografen Teil 2

Nach mehr als 10 Jahren Naturfotografie hat sich mein Bild vom Naturfotografen verändert. Nicht nur die Technik hat die Naturfotografie durch die Digitalisierung der Bilder beeinflusst, sondern auch die Masse der Menschen, die in die Natur hinaus geht und dort fotografiert.
Durch die kleinen Sucherkameras und auch die Systemkameras ist ein sehr großer Kreis an Fotografen, die sich in der Natur bewegen, hinzugekommen. Diese und auch die Spiegelreflexfotografen gehen nun in die Wälder, auf die Wiesen und an die Seen und fotografieren alle möglichen Motive. Dabei beachten viele von ihnen die angebrachten Schilder „Naturschutzgebiet“ immer weniger. Viele übersehen sie sogar absichtlich, um an ein, für sie, interessantes Motiv zu kommen.

Für meinen Geschmack ist diese Handlungsweise sehr egoistisch und sie verstößt gegen das Naturschutzgesetz. Es scheint aber mittlerweile eine Art Kavaliersdelikt geworden zu sein, mal eben 20m in ein geschütztes Gebiet zu laufen. Auch meinen einige Fotografen sie hätten die Befugnis, weil sie in einer Naturschutzorganisation (es ist eine Sondergenehmigung notwendig) sind. Das dabei einige der oben genannten interessanten Motive oder andere geschützte Arten zerstört werden können, scheint diese Fotografen nicht zu interessieren.
Sie nehmen einiges in Kauf um ein seltenes Motiv zu fotografieren und in ihrem Freundeskreis zu präsentieren. Ein schlechtes Gewissen kommt bei vielen nicht mehr auf, weil ja hunderte andere Fotografen auch so agieren.
Dumm, ja sogar sehr dumm ist diese Art von Verhalten, besonders in der Anwesenheit von Kindern, als schlechtes Beispiel zu fungieren. Anscheinend denken diese Fotografen nicht über die folgenden Jahre, in denen sie wieder tolle Motive benötigen, nach. Ich verfolge in manchen Gebieten den Rückgang von Pflanzen, Insekten, Säugetieren und Vögeln. Einige werden immer seltener, wobei der Hauptgrund natürlich nicht die Fotografie ist. Aber gibt es denn bei einigen Menschen überhaupt kein Gewissen, was die Natur und deren Schönheit angeht?
Fazit ist, die große Anzahl von „naturbegeisterten“  oder sagen wir lieber erfolgsgierigen Fotografen lässt das Bild vom Naturfotografen, wie es noch durch Fotografen wie Manfred Delpho, der Naturfreund und Fotograf vereint, geprägt wurde, doch arg im Glanz abblättern.

Christian Falk
April 2013