Rotmilan

Steckbrief:

Ordnung: Accipitriformes

Familie: Accipitridae

Art: Milvus milvus

Name: Rotmilan

Körperlänge: 50-65 cm

Schnabel (ohne Wachshaut): 2,5-3,0 cm

Flügelspannweite: 1,45-1,65 m

Flügel: 48-54 cm

Schwanz: 30-39 cm

Lauflänge: 5,1-6,4 cm

Gewicht: 0,75-1,3 kg

Lebensdauer: bis 25 Jahre

Bestand: gesichert

Verbreitung: Europa, größter Anteil in Deutschland

 

Namen

Deutsch: Gabelweihe, Weichmilan, Mälane, Königsmilan, Gabelschwanz, Gabelgeier, Schweimer, Grimmer, Stößer, Stoßvogel, Hühnerweihe, Wasserfalke, Scheerschwenzel

Dänisch: Röd Glente, Glente

Englisch: Red Kite, Common Kite, Kite

Finnisch: Kokkolintu, Sääski, Kola-Sääski

Französisch: Milan, Milan commun, Milan royal

Helgoländisch: Bott-uhl med üttkleptstert

Italienisch: Nibbo, Nibbo maggiore, Nibbo reale

Kroatisch: Lunja ervenkasta

Lettisch: Sarkana lihja

Maltesisch: Falkun, Falgun, Astun

Niederländisch: Wouw, Milaan, Zwaluwstaart

Norwegisch: Glente

Portugiesisch: Milhano, Mioto rabo de bacalhao, Milhafre

Russisch: Korschun, Krasney

Schwedisch: Glada, Kungsglata, Glänta, Ormvaka, Onsvala

Ungarisch: Vörös Ranya

 

Verwandte Arten

 

Milvus milvus fasciicauda:

Der Bestand auf den Kapverden bildet eine besondere Rasse. Der Vogel ist kleiner und dunkler gezeichnet, sein Schwanz weniger tief gegabelt.

Milvus migrans:

Außerdem gibt es den fast ähnlich aussehenden Schwarzmilan, der etwas kleiner als der Rotmilan, sich überwiegend von Fisch ernährt. Von ihm gibt es allein 6 Unterarten!

Rostrhamus sociabilis:

Der Schneckenmilan lebt in Florida, Kuba und Südamerika. Er ist mit 35-42 cm um einiges kleiner als der Rotmilan.

Rostrhamus hamatus:

Fast bläuliches Gefieder und ein Gewicht von 370-480 g hat der Schlankschnabelmilan, der in Südamerika vorkommt.

Hamirostra melanosternon:

In Australien lebt der Bussard, Schwarzbrust oder Haubenmilan. Wie sein Name schon verrät, hat er eine sehr dunkle, schwarze Brust und im Vergleich zum Rotmilan, einen sehr großen Schnabel.

Lophoictinia isura:

Ebenfalls aus Australien kommt der, dem Rotmilan sehr ähnlich sehende Schopfmilan. Der Jungvogel hat ein helleres Gefieder als der Altvogel. Seine Körpergröße beträgt ca. 48 – 51 cm.

Haliastur indus:

Der Brahminenmilan hat ein rot weißes Gefieder und lebt in Indien, Indonesien, Borneo, sowie Australien und Neuguinea.

Haliastur sphenurus:

Beim Pfeifmilan ist der Schwanz genau wie beim Rotmilan keilförmig. Er kommt in Australien, Neuguinea und Neukaledonien vor.

Ictinia missisippiensis:

Die Missisippi oder Schwebeweihe mit ihren grauen Gefieder zählt mit 34-36 cm zu den eher kleineren Verwandten.

Harpagus diodon:

Die in Südamerika lebende Braunschenkelweihe hat wie ihr Name schon verrät bräunliches Gefieder an den Beinen. Die Brust ist beim Altvogel hellgrau gefärbt.

Harpagus bidentatus:

Ebenfalls im südamerikanischen Raum finden wir die Doppelzahn oder Zwischenweih. Er hat eine rot bräunliche Brust und ist mit 30-36 cm sehr klein.

Ictinia plumbea:

Die Grauschwebeweihe ist auch in Südamerika zu finden. Bei ihr überragen die Flügelspitzen den Schwanz, was ein gutes Erkennungsmerkmal gegenüber der Missisippiweihe ist.

 

Lebensraum

Rotmilane sind Kulturfolger, sie bewohnen gut strukturierte Kulturlandschaften, in denen sie auf Wiesen, Weiden, Feldern sowie an Flüssen Seen und Waldrändern zu finden sind. Sie stellen an ihren Lebensraum keine großen Ansprüche, doch meiden Rotmilane grosse Waldflächen genauso wie baumlose Landschaftsgebiete!

 

Nahrung

Der Rotmilan legt oft sehr große Strecken auf seiner Nahrungssuche zurück. Dabei entfernt er sich manchmal bis zu 10 km von seinem Nest und schlägt seine Beute aus dem Gleitflug heraus, ohne sich dabei auf dem Boden niederzulassen! Sein Nahrungsspektrum ist sehr vielfältig, darunter befinden sich u.a.: Aas, Kleinsäuger, Regenwürmer, Feldhasen, Igel, Vögel, Fische, Eidechsen, Insekten, Frösche und auch Abfälle.

Manchmal jagt er auch anderen Greifvögel die Beute ab. Sitzend hält er selten Ausschau nach Beute, sondern ruht sich nach den langen Segelflügen aus. Mähmaschinen oder pflügende Traktoren verfolgt er gelegentlich um nach Kleintiere am Boden zu spähen.

Seinen Nahrungsbedarf pro Tag beträgt ca. 130 Gramm, er ist reiner Fleischfresser. Auch Jungvögel, die noch im Nest verweilen, fallen ihm zum Opfer.

 

Verbreitung

Abgesehen von einigen wenigen Paaren in Marokko und im Kaukasus, ist das eher kleine Brutareal des Rotmilans auf Europa beschränkt. Dort beheimatet Deutschland den größten Anteil von Brutpaaren (ca.20000). Frankreich, Spanien und die Schweiz belegen die Plätze 2-4! Ostdeutschland hat auch heute noch die größte Dichte an Rotmilanen, dort sind stellenweise 40 Paare pro 100 km² vorhanden.

 

Nestbau

Der Rotmilanhorst entspricht in etwa der Größe des Mäusebussardhorstes, er hat also ca. einem Durchmesser von 70-100 cm. Das Horstmaterial besteht aus dünnem Reisig und die stärksten Äste sind meist daumendick. Er benutzt bei Netzbau nicht nur Zweige und Reisig, sondern auch Lumpen (Jacken, Hosen usw.), Papier, Nadelbaumzweige sowie Bindenfäden, Gummireste, Moos, Tierhaare und Federn.

Im Osten Deutschlands wurde 1991 auf einer Fläche von 13Km² eine Anzahl von 67 Paaren festgestellt. Eine normale Siedlungsdichte liegt etwa bei 5 bis 20 Paaren pro 100 km².

 

Balz

Im Alter von 2 Jahren werden Rotmilane geschlechtsreif, einige brüten aber erst ein Jahr später. Die Paare finden meist im Brutrevier wieder, obwohl sie den Winter nicht gemeinsam verbrachten. Sie beginnen in der Regel zwischen Februar und März mit der Balz. Zur Balz gehören charakteristische Flugspiele, die manchmal sogar einem Angriffsturzflug gleichen! Erst gewinnt der Rotmilan an Höhe dann stürzt er sich in die Tiefe. Manchmal läßt er ein Beutestück oder Nistmaterial in der Luft fallen, jagd ihm nach und fängt es wieder auf.

 

Zugverhalten

Die meisten Rotmilane sind während der kalten Jahreszeit in Spanien anzutreffen, wo bis zu 60.000 Wintergäste gezählt wurden. Manche fliegen aber auch weiter bis nach Afrika, einige überwintern aber auch in Frankreich, der Schweiz oder eben in Deutschland. In der Regel ziehen die Vögel Ende August, spätestens Ende September, nachdem sie sich vorher in Gruppen gesammelt hatten. Geschlechtsreife Vögel fliegen im Februar / März wieder in ihr Brutgebiet zurück. Oft siedeln sie sich im Umkreis ihres Geburtsortes wieder an.

 

Sterblichkeit

Man schätzt die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr bei Rotmilanen auf 45 % im zweiten auf 33% und im dritten Lebensjahr auf 22 %. Dies wurde durch Funde beringter Milane belegt. 29 Jahre und 10 Monate wurde der bisher älteste freilebende Vogel. In Gefangenschaft erreichte ein Milan auf das stolze Alter von 38 Jahren. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt aber nur 36 Monate, da den Jungen Rotmilanen die Erfahrung in Bezug auf ihr Jagdgebiet oder Futterstellen fehlt.

 

Gefahren

Wie alle anderen Greifvögel, ist auch der Rotmilan den unterschiedlichsten Gefahren ausgesetzt. Diese Gefahren lassen sich in zwei Gruppen teilen: Einerseits, die Gefahren die die Sterblichkeit erhöhen, auf der anderen Seite die, die ihre Brut oder die Eignung eines Habitats beeinflussen. Ein paar Beispiele zu Punkt 1: Vergiftung (vergiftete Köder), Unfälle (Strommasten), Straßenverkehr, Bejagung Zu Punkt 2 zählen: Natürliche Feinde, Forstarbeiten, Änderungen in der Landwirtschaft. Es wurden bei Untersuchungen zwar auch Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger festgestellt, aber es konnte nicht nachgewiesen werden, dass diese auch zum Tod führten.

 

Naturschutz

Durch ökologisch verträgliche Landwirtschaft kann die Verbreitung der Rotmilans direkt beeinflusst werden. Als Kulturfolger sucht er sich seine Nahrung hauptsächlich auf Weiden und Äckern, ist also direkt abhängig vom menschlichen Umgang mit der Kulturlandschaft. Verbessern können wir die Situation der Greifvögel nur wenn:

- traditionelle Bewirtschaftungsformen erhalten bleiben, z.B. durch extensive Weidewirtschaft

- der Ersatz von Pestiziden und mineralischen Düngemitteln reduziert sowie auf synthetische Dünger verzichtet wird

- der ökologische Landbau flächendeckend gefördert wird

- auf Entwässerung verzichtet wird

- die Landschaft nicht weiter ausgeräumt wird, also Hecken, Sträucher und Wildpflanzen geduldet und gegebenenfalls neu angepflanzt werden und

- “weiche” Übergänge geschaffen werden zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen und Wald!

Jetzt werden sie fragen wie kann ich da helfen? Jeder kann mit dem Kauf von Nahrungsmitteln aus ökologischem Anbau dazu beitragen, dass der Rotmilan und seine Greifvogelkollegen auch in Zukunft weiter über unsere Felder und Wiesen kreist!

 

Links

Hilfe für den Rotmilan

NABU über den Rotmilan

Gefieder des Rotmilan

Informationen aus Luxemburg

Red Kite Feeding Station – Englische Rotmilanseite einer Falknerei

Rotmilanseite vom englischen RSPB Naturschutzverband

Rotmilaninfo aus Frankreich