Schwarzmilan

Steckbrief:

Ordnung: Accipitriformes

Familie: Accipitridae

Art: Milvus migrans

Name: Schwarzmilan

Körperlänge: 48-58 cm

Schnabel (ohne Wachshaut): 2,4-2,7 cm

Flügelspannweite: 1,30-1,50 m

Flügel: 44-48 cm

Schwanz: 22-30 cm

Lauflänge: 5,0-6,2 cm

Gewicht: 0,65-1,1 kg

Lebensdauer: bis 20 Jahre

Bestand: gefährdet

Verbreitung: Europa

 

Namen:

Deutsch: Brauner Milan, Schwarzbraune Gabelweihe, Hühnerdieb, Mäusear, kleiner Schwalbenschwanz, Mäuseadler, Brauner Geier, Schwarzer Falke, Gabelgeier

Dänisch: Sort Glente

Englisch: Black Kite

Finnisch: Himea haarhaukka

Französisch: Milan noir, Milan etolien

Italienisch: Nibbo nero

Kroatisch: Lunja crenkasta

Lettisch: Melna lihja

Niederländisch: Zwartbruine Wouw, Zwarte wouw

Armenisch: Urur

Klinrussisch: Schulpica

Schwedisch: Brun glada

Ungarisch: Barna känya

Polnisch: Kania czarna

Ungarisch: Barna känya

Türkisch: Siyah caylak

Estnisch: Konna kull

 

Verwandte Arten:

Milvus migrans lineatus:

Größte Unterart, dem Rotmilan am ähnlichsten. Verbreitung vom Ural ostwärts über Westsibirien bis Japan. Wirkt wie eine Mischung aus Schwarz und Rotmilan! Doch erkennt man ihn durch die hellere Kehle und Wangen, dunkle Ohrdeckel und helle Felder auf den Oberflügeln. Seine Flügelspannweite ist größer als die des Milvus migrans migrans.

Milvus migrans formosanus:

Diese Art ist eine kleinere Form vom Milvus migrans lineatus und kommt nur auf Taiwan und Hainan vor.

Milvus migrans govinda:

Dieser Milan hat einen braunen Kopf und einen schwarzgestreiften Oberkopf, außerdem ist er dunkler als M.M. migrans. Man findet ihn in Indien, Sri Lanka, Burma, Thailand und teilweise Malaysia. Er lebt dort auf einer Höhe bis zu 2400m!

Milvus migrans aegyptius:

In Ägypten, Sinai, Äthiopien, Somalia und entlang der Küsten des Roten Meeres findet man die Unterart aegyptius. Sie unterscheidet sich durch die schwarzen Schaftstreifen am Oberkopf, die weißen Flecken am Handgelenk und die bei Jungvögel vorhandenen schwarzen Schnäbel.

Milvus migrans parasitus:

Beim Milus migrans parasitus ist der Scheitel und Nacken braun, die Handschwingen schwarz und die Unterseite, einschließlich der Flügel eintönig rotbraun bis dunkel zimtfarbend. Man kann ihn in Afrika südlich der Sahara und auf Madagaskar beobachten!

Milvus migrans affinis:

Der in Australien, Neuguinea, Lombok, Sumba, Timbor und Sulawesi vorkommende Milan ist mit knapp 500g ein echtes Leichtgewicht. Er hat einen aufgehellten Kopf, ähnlich wie der Schwarzmilan in Europa und ein helles Schulterfeld.

 

Lebensraum

Einen Baum für seinen Horst und als Jagdgebiet ein Binnengewässer, das benötigt der Schwarzmilan als Lebensraum. Große Seenlandschaften oder Flußtaler bevorzugt er, denn dort findet der “Wassermilan” genügend Nahrung. Seine größte Bestandsdichte hat der Schwarzmilan in Europa am Genfersee und an den Juraseen. Die Reviergröße beträgt ca. 20km (400km²) und die durchschnittliche Entfernung beim Jagen liegt zwischen 100 und 2500m vom Horst entfernt.

 

Nahrung

Die Ernährung vom Schwarzmilan ist sehr vielseitig. Er ernährt sich am liebsten von Fisch, wobei er sich aber auch ähnlich wie der Rotmilan von Aas oder der Müllkippe ernährt. Dabei steht dann fast alles Eßbare auf dem Speiseplan und selbst vegetarischer Kost ist er nicht abgeneigt. Bei den Fischen sind es meist Karfenfische, wie Schleie und Plötze, aber auch Barsche und Hechte. Bei den Kleinsäugern in trockenen Gebieten sind Feldmäuse, Ziesel, junge Hasen und Hamster seine Opfer. Der Schwarzmilan fängt größtenteils Jungvögel, dabei kommen Lerchen, Krähen, Hühnervögel, Möwen, Watvögel, Enten und Bläßhühner vor!

 

Verbreitung

Der Schwarzmilan ist fast weltweit zu finden, mit Ausnahme der Neuen Welt, den Nord- und Südpolregionen. Seine etwa 7 Unterarten findet man in Europa, Afrika, Asien und Australien. Obwohl der Schwarzmilan eine der weit verbreiteten und häufigen Greifarten ist, kommt er in Deutschland nur recht sehr selten vor. Ungefähr 3900 Schwarzmilane (bei 92000 europäische Paare des Milvus migrans migrans) leben hier, in Vergleich zu ca. 12000 Rotmilanen (das ist die Hälfte des Weltbestandes).

 

Nestbau

Ähnlich wie beim Rotmilan, nutzt der Schwarzmilan auch alte Bussardhorste, Krähennester oder baut sein bestehenden Horst aus. Er benutzt ebenfalls Stofffetzen, Papier, Plastikfolie oder andere weiche Materialien zur Posterung des Horstes. Durchschnittliche Bauhöhen lagen beim Schwarzmilan um die 14m, der Rotmilan baute nur ungefähr 3m höher. Beide Geschlechter bauten einen ca. 0,5- 1,10m breiten Brutplatz, der nachträglich immer wieder ausgebessert wird.

 

Balz

Mit circa drei Jahren brütet der Schwarzmilan das erste Mal. Seinem auserwählten Partner ist er ein Leben lang treu. Beim Balzflug wirken sie wie ein junges Liebespaar, denn sie fliegen dann sehr nah beieinander. Auch fast kampfähnliche Szenen gehören zu diesem Balzflug, bei dem sie ihre Fänge verhaken und in die Tiefe trudeln. Der April ist der meist genannte Monat für die erste Balz.

 

Zugverhalten

Der in Deutschland lebende Schwarzmilan zieht im August/September in den Süden der Sahara, um dort sein Winterquatier zu beziehen. Er zieht in großen Gruppen die sich oft an festen Punkten sammeln. Die ägyptische Unterart ist Standvogel. Im März/April tritt der Schwarzmilan wieder seine Rückreise an.

 

Sterblichkeit

Wie auch bei den anderen Greifvogelarten ist das erste Jahr für den Schwarzmilan die gefährlichste Zeit. Nur ca. 70% überleben dieses erste Jahr. Er wird in Freiheit bis zu 24 Jahre alt, der Schnitt um die 18-20 Jahre. In Gefangenschaft wurde bisher ein Alter von 29 Jahren erreicht.

 

Gefahren

Gefahren sind neben den direkten Feinden wie Habicht und Uhu, vorwiegend der Mensch, der den Milan unrechtmäßig erschießt, vergiftet oder fängt. Aber auch der Verkehr, Stromleitungen, Flugzeuge, Parasiten oder natürliche Einflüsse wie Hagel sind Gefahren für den Schwarzmilan. Bei einem sehr hohen Anteil der tot aufgefundenen Vögel ist leider die Todesursache unbekannt.

 

Naturschutz

Die Maßnahmen sind ähnlich wie beim Rotmilan (bitte dort nachlesen), außerdem sollte vordringlich gegen die Massenabschüsse im Mittelmeerraum protestiert werden, wo die Schwarzmilane auf ihren Zugwegen besonders bedroht sind. Der Schutz der Auwälder sollte aber in unseren Regionen als Hauptziel angesehen werden, denn so erhalten wir den wichtigsten Lebenraum der Schwarzmilane.

 

Links

Gefieder vom Schwarzmilan

Kurzinfo über den Schwarzmilan

Buch über Rot- und Schwarzmilan von Jochen Walz

Briefmarken mit dem Schwarzmilan

Französische Seite über den Schwarzmilan mit wundervollen Fotos